Barrierefreiheit in Fernbussen

Rollstuhlplätze und Hilfen für behinderte Menschen

Behindertengerechte Fernbusse steigern die Lebensqualität Barrierefreiheit in FernbussenNachdem der Markt für Fernbusse Anfang des Jahres 2013 liberalisiert wurde, werden Fernbusse immer häufiger als günstige Alternative zu dem sonst üblichen Schienenverkehr angesehen. Doch diese Möglichkeit der Nutzung stand zunächst nicht allen Interessierten zur Verfügung.

Für behinderte oder eingeschränkte Menschen war es bisher kaum möglich Fernbusse zu nutzen. Sowohl der Ein- und Ausstieg als auch der Zugang zu den Toiletten stellte viele Menschen vor ein Hindernis. Daher sollte sich bezüglich Barierrefreiheit in Fernbussen schnellstmöglich etwas ändern.

Gesetzeslage zur Barrierefreiheit

Laut Gesetz sollen sämtliche Fernbusse über keinerlei Barrieren verfügen. Dies ist aber gar nicht so einfach, daher hat die Regierung beschlossen das Ganze etwas zu lockern. So müssen alle neu erworbenen Fernbusse bis 2016 barrierefrei sein. Für bereits angeschaffte Fahrzeuge soll es dann 2019, also drei Jahre später so weit sein. Ab diesem Zeitpunkt müssen sie dann barrierefrei und behindertengerecht eingerichtet sein bzw. umgerüstet werden.

Wie reagieren die Fernbusanbieter?

Die gegenwärtige Situation bei den Fernbusanbietern ist unterschiedlich. So gaben FLiXBUS, MEiNFERNBUS und DeinBus.de an, dass sie momentan regelmäßige Schulungen für das gesamte Buspersonal und die Busfahrer anbieten, sodass diese im Umgang mit behinderten und beeinträchtigen Menschen geschult sind und diese auf ihrer Fahrt bestens unterstützen können. Auf diese Weise soll auf gehbehinderte Fahrgäste am besten eingegangen werden. Darüber hinaus ist der Transport eines klappbaren Rollstuhl kostenlos möglich. So soll auch der Transport auf einem normalen Sitz möglich gemacht werden. Die Unternehmen bitten dabei allerdings um Rückspache. Menschen mit einem Behindertenausweis wird ein Rabatt gewährt. Die Begleitpersonen dürfen außerdem kostenlos mitfahren, sofern sie im Behindertenausweis vermerkt worden sind.

Rollstuhlmitnahme im Fernbus

Die Mitnahme von Rollstühlen, Krankenfahrstühlen oder sonstigen Hilfsmitteln ist bei den meisten Busanbietern zwar kostenfrei, jedoch muss man die jeweiligen Hilfsmittel bei der Buchung anmelden, da die verfügbaren Plätze begrenzt sind und nicht jeder Fernbus über behindertengerechte Einrichtungen, wie Rollstuhlplätze etc. verfügt. Ebenso muss eine erforderliche Begleitperson angemeldet werden. Je nach Anbieter ist die Fahrt kostenlos oder zu vergünstigten Konditionen erhältlich.

Preisnachlässe und Vergünstigungen

Viele Fernbus-Anbieter bieten behinderten Personen mit Nachweis sowie deren Begleiter vergünstigte Konditionen an.

Hier eine kurze Übersicht:

Busanbieter
Ermäßigung* Begleiter**
50 % Mitfahrt gratis
50 % Mitfahrt gratis
0 % Mitfahrt gratis
100 % Mitfahrt gratis
0 % Mitfahrt gratis
50 % Mitfahrt gratis****
Kinderpreis Mitfahrt gratis
k. A. Mitfahrt gratis
k. A. k. A.

*) mit gültiger Wertmarke | **) bei Merkzeichen „B“  | ***) ab GdB 50 % | ****) ins Ausland -50 %

Sehbehinderte und hörgeschädigte Personen im Fernbus?

Während bei gehbehinderten und beeinträchigten Menschen immer mehr darauf geachtet wird, Barrieren zu entfernen, haben Seh- und Hörgeschädigte immer noch das Nachsehen. In Zukunft soll immer mehr Rücksicht auf behinderte Menschen genommen werden. Es bleibt also zu hoffen, dass sich dieser Trend auch auf anderweitig behinderte Menschen auswirken wird, sodass bald auch sehbehinderte und hörgeschädigte Menschen mit Hilfe von Fernbussen alleine reisen können.

Blindenhunde im Fernbus

Im Gegensatz zu herkömmlichen Haustieren bzw. Hunden, ist die Mitnahme eines (im Schwerbehindertenausweis eingetragenen) Blindenführhundes im Fernbus erlaubt. Bei den meisten Anbietern ist die Mitnahme des Blindendhundes kostenlos, jedoch ist dieser generell anmeldpflichtig. Deshalb bitte bei der Buchung unbedingt angeben, dass ein Begleithund mitgenommen werden soll.

Tipps zur Buchung

Da die Busanbieter zu den Themen „Beförderung schwerbehinderter Personen“, „behindertengerechte Einstiege“, „verfügbare Rollstuhlplätze“ und „Barrierefreiheit“ bislang noch völlig uneinheitliche Auslegungen und Modulitäten aufweisen, empfiehlt es sich, vor der Buchung beim jeweiligen Busanbieter nachzuhaken und sich zu informieren.

  • Zunächst sollte man den Fernbus-Anbieter herausfinden, welcher die gewünschte Strecke in seinem Portfolio hat.
  • Dann auf der Anbieter-Website in die FAQ und AGB schauen, was dort zum Thema Barriefreiheit angegeben ist.
  • Führt das nicht zum Erfolg, kann die interne Suche (sofern vorhanden) mit dem Suchwort „Barrierefreiheit“ helfen.
  • Zudem verfügen die meisten Anbieter über eine telefonische Hotline, die kompetent zum Thema beraten kann.

Fernbus-Anbieter Liste >>

 

Eine telefonische Buchung ist in jedem Fall von Vorteil, da man sich hierbei gezielt Auskunft über die Anzahl verfügbarer Rollstuhlplätze zum Reisetermin, zu vorhandenen Einstiegshilfen und aktuellen Preisnachlässen für den Reisenden + Begleitperson oder ggfs. Blindenführhund geben lassen kann. Zudem sind die benötigten Hilfsmittel, Begleitpersonen oder Blindenführhunde generell anmeldepflichtig, was mittels Online-Buchung nicht bei allen Anbietern möglich ist.

Die Reisealternative für Menschen mit körperlichen Einschränkungen?

Grundsätzlich eignen sich Fernbusse bzw. diese Art des Reisens vor allem deshalb für behinderte, beinträchtigte oder ältere Menschen, da diese so die gewünschte Reise ohne lästige Zwischenstopps, Umsteigen und unnötigen Menschentrubel hinter sich bringen können, wie man es sonst vom Schienenverkehr her kennt. Zwischenstopps bedeuten für behinderte Menschen oft große Hindernisse, sodass reisen oft beschwerlich wird. Mit Fernbussen ist dies anders und daher bieten diese eine echte Alternative für beeinträchtigte Menschen.

Fazit:

Wünschenswert ist, dass in Zukunft auch die Fernbus-Anbieter ein sensibleres Gespür für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen bekommen und die erforderlichen Rahmenbedingungen in ihren Omnibussen in die Tat umsetzen. Fakt ist, dass beinträchtigte Menschen künftig einen immer größer werdenen Teil der Kundschaft ausmachen werden. Bereits heute ist es so, dass circa 15 % der Reisenden in Fernbussen Senioren sind. Und diese Zahl wird in Zukunft nicht kleiner werden.

Weiterführender Link zu Thema „Barrierefreiheit im Fernbus“:

Fotos: Symbol: © PictureP. – Fotolia.com | Rolli: © Zakharov Evgeniy – Fotolia.com